Die Letzten werden die Ersten sein

Wie Fluggesellschaften aus Verlierern der Krise zu Gewinnern des Aufschwungs wurden

Auch an der Geschäftsreisebranche ist die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht spurlos vorbei gegangen. Der Einbruch des Geschäftsreisevolumens und der Ausgaben für berufsbedingte Mobilität im Jahr 2009 ließ sich bereits 2008 erahnen. Die Zahlen der VDR-Geschäftsreiseanalyse 2010 zeigen schwarz auf weiß: Sowohl die Anzahl der Geschäftsreisen als auch die Gesamtausgaben sind von 2008 auf 2009 im Gleichschritt geschrumpft.

Gespart wurde vornehmlich durch die einfachste Methode: Die Verringerung des Reisevolumens. Neben der Suche nach Alternativen wie Video-, Web- und Telefonkonferenzen und Einschränkungen im Veranstaltungsbereich stand die Verschärfung der Reiserichtlinie auf der To-Do-Liste der sparenden Geschäftsreiseplaner. Fester Bestandteil der Reiserichtlinie – der „Verfassung des Travel Managements“ – ist die Vorschrift, wenn möglich auf niedrigere Flugklassen und Hotelkategorien auszuweichen. „Gravierende Änderungen in den Travel Policies wurden spätestens im Zuge der Wirtschaftskrise zur Chefsache. Die Geschäftsreiseanalyse vermeldet hier einen Anstieg des Einflusses um zehn Prozentpunkte im Vergleich zur Situation vor sieben Jahren. Wichtig ist dabei, dass die Maßnahmen nachvollziehbar von oben nach unten kommuniziert werden – dann zeigen die Arbeitnehmer eher Verständnis“, so VDR-Vizepräsident Ralph Rettig, Senior Manager Corporate Travel Management bei der ZF Group. „Nicht aus den Augen verlieren sollte jeder Geschäftsreiseverantwortliche im Unternehmen jedoch die Schattenseiten zu eifrigen Sparwillens – hohe Umbuchungsgebühren bei Günstig-Tickets, kräftige Zusatzentgelte für Übergepäck und letztlich Mitarbeiter, die unkonzentriert in Verhandlungen gehen, weil sie sich zuvor zehn Stunden lang in enge Sitze quetschen mussten.“

Die Umstellung hat funktioniert: Im Sparjahr 2009 flogen Geschäftsreisende unabhängig vom Ziel mehrheitlich Economy – im Interkontinental-Bereich 62 Prozent, im Inland sogar 95 Prozent. Und so wird die dienstliche Fliegerei durch den Kostendruck zwar unbequemer, das Controlling dürfte sich dennoch freuen. Der Kostenbereich „Flug“ ist mit 27 Prozent immer noch der größte, obwohl im Jahr 2009 über zwei Milliarden Euro weniger ausgegeben wurden. „Hinter dieser – im Vergleich zu den anderen Kostenbereichen – bemerkenswert hohen Zahl verbergen sich nicht nur weniger Tickets, sondern auch eine vermehrte Nutzung der Economy- und Premium Economy-Klasse auch bei interkontinentalen Flügen. Hier wird deutlich, wie ein professionelles Travel Management Reiserichtlinien angepasst hat und Spareffekte erzielen konnte“, so VDR-Hauptgeschäftsführer Hans-Ingo Biehl.

Wenn die verschärften Bedingungen einmal akzeptiert sind, dann besteht keine Notwendigkeit mehr, in vollem Umfang zum alten Stand zurück zu kehren. „Ein Teil der Maßnahmen ist durchaus angebracht und zeitgemäß und wird deshalb beibehalten“, so Biehl. Restriktionen, die sich bewährt haben, werden im Aufschwung nicht wieder vollständig gelockert.
Mit der Wirtschaft erholt sich auch die Branche. Bei der Befragung zur VDRGeschäftsreiseanalyse Anfang des Jahres glaubten bereits 23 Prozent der Unternehmen an einen Anstieg des betrieblich veranlassten Reisevolumens im Flug-Bereich. „Die Letzten werden bekanntlich die Ersten sein: Die zarten positiven gesamtwirtschaftlichen Signale zeigten sich deutlich in der geschätzten Entwicklung 2011“, so Biehl.

Der Business Travel Index von AirPlus zeigt, dass sich die Prognosen aus der VDR-Geschäftsreiseanalyse bewahrheiten. Die Studie verzeichnet einen Anstieg der Flugreisen in Europa um drei Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Rotstift sitzt wieder etwas lockerer: Geschäftsreisende nehmen wieder häufiger in der Business Class Platz. So stieg laut AirPlus der Business Class-Anteil europaweit von acht Prozent im Januar auf zehn Prozent im Juni 2010. Ein solcher Wert war zuletzt vor der Krise erreicht worden. Insgesamt gaben Unternehmen in Europa gegenüber dem ersten Halbjahr 2009 sieben Prozent mehr für Flüge aus.

Betrieblich veranlasste Reisen stehen in vielen Firmen wieder auf dem Plan – und das ist aus unternehmerischer Sicht auch sinnvoll. Schließlich tragen Geschäftsreisen dazu bei, Beziehungen zu entwickeln, sie zu festigen und Erlöse zu steigern.

 

Der Verband Deutsches Reisemanagement e. V. (VDR) vertritt mit seinen mehr als 500 Mitgliedsunternehmen einen Gesamtumsatz im Geschäftsreisebereich von jährlich mehr als zehn Milliarden Euro und ist Ansprechpartner im Bereich der gesamten geschäftlichen Mobilität.

Kontakt:
Darmstädter Landstraße 125,
60598 Frankfurt am Main
Telefon: 0 69 / 69 52 29 0, Fax: 0 69 / 69 52 29 29
E-Mail: info@vdr-service.de, www.vdr-service.de

Präsidium: Dirk Gerdom (Präsident), Ralph Rettig (Vizepräsident), Bernd Ruttloff, Carsten Czub, Daniela Schade, Volker Huber, Hans- Ingo Biehl (gleichzeitig Hauptgeschäftsführer)


Kommentare
Noch keine Kommentare.
IHR KOMMENTAR ZUM THEMA
Name:
E-Mail:
(optional)

Kommentar:*
KOMMENTAR SENDEN
ANZEIGE
Neueste Kommentare
Neueste Videos
Am häufigsten gelesen
Neueste Artikel
Am besten bewertet
Flottenkompetenz
Finden Sie wonach Sie suchen!
Flottenkompetenz liefert direkten Kontakt zu überregionalen und lokalen Dienstleistem rund um das Thema Auto.
Suche:
Top RSS Meldungen
Flottenmanagement Magazin - 2 / 2011
Die Topthemen:
  • E-Mobility: Erste Restwerte
  • Exklusiver Test: Neuer Audi A6
  • DienstReise: Nachhaltiges Reisen 
Zum Seitenanfang