Christian Althaus (Direktor Verkauf & Marketing, Maritim Bonn) und Hans Schaden (Hoteldirektor Maritim Bonn) im Gespräch mit Judith Kadach (DienstReisen-Management) über den kürzlich erhaltenen Green Globe’und das Umweltmanagement im Haus (v.re.)
Einsparpotenzial Energiesparlampe: schonend für Umwelt und Kosten
Natürliche Wärmedämmung: Die begrünte Dachanlage des Hotels als eine der vielen Maßnahmen, die dem Umweltschutz zugute kommen

Grüner Vorreiter

Interview mit Hans Schaden, Hoteldirektor des Tagungshotels Maritim Bonn

DienstReisen-Management: Das Maritim Bonn ist als erstes Tagungshotel Deutschlands im Juli 2010 mit dem Green Globe ausgezeichnet worden. Wie kam es dazu?

H. Schaden: Angefangen hat alles mit Sustainable Bonn, einer Initiative der Stadt Bonn, der wir uns 2007 angeschlossen haben und von der nun die Anregung dazu kam, eine Zertifizierung anzustreben. Auch Kunden wie die UNO und das Bundesumweltministerium haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass es heutzutage immer wichtiger wird, im Bereich Nachhaltigkeit tätig zu sein und entsprechende Zertifikate nachweisen zu können.
Aufgrund dieser Anregungen haben wir im Hotel eine Arbeitsgruppe gegründet, bestehend aus Abteilungsleitern und Mitarbeitern aus allen Bereichen. Unser technischer Leiter Gerd Frings ist die treibende Kraft, bringt den Mitarbeitern alles Wesentliche nahe, holt sich Ideen und berichtet mindestens einmal im Monat im Abteilungsleiterkreis. Es werden gemeinsam Vorschläge erarbeitet, wie man das Projekt Nachhaltigkeit im Haus noch weiter nach vorne bringen kann.

Nachdem wir die Zertifizierung angestrebt hatten, kam eine dreiköpfige Kommission in unser Haus, hat mit unserem Team vor Ort gesprochen und erste Kriterien geprüft. Bereits am ersten Tag der Zertifizierung konnten wir 20 Prozent der geforderten Kriterien erfüllen, da wir über Sustainable Bonn bereits mit dem Thema beschäftigt waren und aktiv Umweltmanagement betrieben haben. Die Kriterien zu erfüllen und nachzuweisen ist ein sehr aufwändiger Prozess. So muss auch dokumentiert werden, inwieweit bestimmte Kriterien eingehalten werden – durch Rechnungen und Bilder beispielsweise.
Wir haben kontinuierlich weiter am Projekt gearbeitet, denn unser Ziel war es, bis zur nächsten UNO-Tagung 51 Prozent der geforderten Kriterien nachweisen zu können; dies ist die Mindestanforderung für die Zertifizierung. Tatsächlich haben wir aber sogar die 70 Prozent-Marke erreicht. Was nicht bedeutet, dass wir uns auf diesem Erfolg nun ausruhen – wir werden weiter permanent an allem arbeiten, zumal die Zertifizierung nur ein Jahr lang gültig ist.

DienstReisen-Management: Auf wessen Initiative geht es zurück, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz in Ihrem Haus so groß geschrieben werden? Haben Sie sich selbst dieses Ziel gesetzt oder war es eine Vorgabe der Zentrale, die letztlich auch zur Auszeichnung geführt hat?

H. Schaden: Diese Initiative ging von unserem Haus selbst aus. Wir sind das Pilotprojekt, das mit dem Green Globe mit EVVC-Zusatz ausgezeichnet wurde. Weitere Maritim-Hotels werden folgen. Nach Erhalt des Preises gab es viele Reaktionen von Kollegen, die uns gefragt haben, was zu tun ist, um eine solche Auszeichnung zu erhalten. Wir sind das Referenzhotel für unsere Kollegen, bieten ihnen an, das von uns erarbeitete System zu übernehmen – so haben wir beispielsweise für jedes Kriterium in unserem EDV-System einen Ordner angelegt und dort sämtliche relevanten Informationen hinterlegt. Die Kollegen können mithilfe dieses Systems etwas leichter arbeiten, da sie nur das bereits angelegte Gerüst übernehmen und mit Inhalt füllen müssen.

DienstReisen-Management: Welche der Kriterien, die das Hotel für den Erhalt des Preises erfüllen musste, sind in Ihren Augen besonders wichtig?

H. Schaden: Wesentlich ist sicherlich die Mülltrennung. In unserem Haus werden 17 verschiedene Müllsorten getrennt und weiterverarbeitet. Altfett wird zu Biodiesel, Porzellan geht in den Straßenbau. Energiesparen ist wichtig: Unsere Leuchtmittel werden komplett ausgetauscht gegen solche, die einen geringen Energieverbrauch haben, zusätzlich sparen Bewegungsmelder Strom. Sensoren an den Handwaschbecken sparen Wasser und sollen langfristig im kompletten Hotel eingesetzt werden. Unsere komplette Dachanlage ist begrünt, was den Vorteil hat, dass es eine natürliche Art der Wärmedämmung darstellt. Das Oberflächenwasser, das sich dort sammelt, wird in einen Bach abgeleitet und nicht ins Kanalsystem – auch dies ist eine Maßnahme, die der Umwelt zugute kommt. Mithilfe all dieser Mittel lassen sich Kosten einsparen, die dann wiederum in unser Projekt investiert werden können: Sei es für Kaffee aus fairem Handel oder für biozertifizierte Lebensmittel, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Außerdem versuchen wir, von den Kriterien für die Zertifizierung einmal abgesehen, die Erwartungen der Kunden zu erfüllen. Gerade bei UNO-Tagungen wird Wert darauf gelegt, dass kein Flugobst verwendet wird oder keine vom Aussterben bedrohten Fischarten serviert werden. Grünen Strom liefern wir auch bei Tagungen, wenn dies gefragt ist.

Insgesamt lässt sich sagen, dass es oft Kleinigkeiten sind, die man umsetzen kann, diese aber in der Summe viel bewirken. Wesentlich ist auch, dass die Mitarbeiter laufend und aktuell informiert werden und an einem Strang ziehen – würden die Mitarbeiter das ganze Projekt nicht als sinnvoll ansehen, die Bedeutung von nachhaltigem Wirtschaften nicht verinnerlichen und nicht mithelfen, könnten wir weder das Projekt umsetzen noch etwas bewirken.

DienstReisen-Management: Wie reagieren Unternehmen und Dienstreisende auf den Green Globe? Wird dieser Preis auf dem Markt entsprechend registriert?

H. Schaden: Schon vor der Auszeichnung mit dem Green Globe haben vor allem britische und US-amerikanische Unternehmen sehr darauf geachtet, ob wir nachhaltig arbeiten. Es gibt Unternehmen, die uns schon vor einigen Jahren mehrseitige Protokolle abarbeiten lassen haben, die dann darüber entschieden haben, ob wir für Dienstreisen überhaupt gebucht werden.

Ganz allgemein lässt sich sagen: Es stößt auf positive Resonanz, dass unser Haus in Sachen Umweltschutz so aktiv ist. Gerade Unternehmen, die selbst im Bereich Nachhaltigkeit tätig sind, müssen nachweisen, dass sie in Hotels absteigen, die ein Nachhaltigkeitszertifikat haben – was uns natürlich zugute kommt. Zertifikate wie der Green Globe werden zunehmend wichtiger, Firmen werden mehr und mehr auf solche Auszeichnungen achten, genau wie sie selbst in Sachen Nachhaltigkeit immer aktiver werden.
Die Auszeichnung ist allerdings noch so neu, dass wir eine Weile abwarten müssen, um endgültig Angaben darüber machen zu können, wie sie angenommen wird und inwieweit sie sich auf zukünftige Buchungen auswirkt.

DienstReisen-Management: Wird Ihrer Erfahrung nach erwartet, dass Hotels umweltfreundlich sind und dass dies bereits im Preis inbegriffen ist oder sind Unternehmen bereit, einen Aufpreis für ein solches Haus zu bezahlen?

H. Schaden: Die UNO und das Umweltministerium sind definitiv bereit, dafür einen Aufpreis zu bezahlen. Grüner Strom ist etwas teurer als normaler Strom, dem Veranstalter ist es das jedoch Wert, für diese Mehrkosten aufzukommen. Die erhöhten Ausgaben werden gerne bezahlt, um anschließend sagen zu können, dass eine Veranstaltung abgehalten wurde, bei der Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein im Vordergrund stehen. Kunden, denen die Bedeutung von Nachhaltigkeit bewusst und wichtig ist, bezahlen gerne etwas mehr. Andere, in deren Köpfen dies noch nicht so sehr verankert ist, setzen bestimmte Dinge oft voraus, ohne dafür etwas bezahlen zu wollen.
In Zukunft wird es mit Sicherheit stärker erwartet und wird auch selbstverständlicher werden, dass bestimmte Dinge einfach vorhanden sind. Spätestens in einigen Jahren wird es so sein, dass Hotels bestimmte Voraussetzungen in Sachen Umweltmanagement erfüllen werden, ohne dass dies zu Mehrkosten führt.

 

Maritim Bonn

Zimmer: 410

Kategorien: Klassik Zimmer (Einzelund Zweibettzimmer), Komfort Zimmer (Einzel-, Zweibett- und Doppelzimmer), Superior Zimmer (Einzel-, Zweibett- und Doppelzimmer), Junior Suite, Lady Suite

Highlights: Rooftop-Driving-Range mit Putting Green und Indoor Anlage, Moderner Wellnessbereich (Hallenbad, Sauna, Dampfbad, Solarium, Fitnessmöglichkeiten, Wellness-Studio), Tagungsmöglichkeiten für bis zu 2800 Personen in 16 verschiedenen Tagungs- und Konferenzräumen, Businesscenter, hauseigenes Tagungsteam, das Veranstaltungen von der Planung bis zur Durchführung betreut und organisiert.

 

Green Globe

Die Green Globe Certification ist eine 1993 gegründete, in 187 Staaten anerkannte und in 50 Ländern tätige Zertifizierungseinrichtung für Nachhaltigkeit in Unternehmen. Bisher wurden über 1.000 Unternehmen zertifiziert, über 2.000 Unternehmen nehmen am Green Globe-Programm teil.

248 auf wissenschaftlicher Forschung basierende Kriterien gibt es insgesamt, mindestens 51 Prozent der Kriterien müssen erfüllt werden, um eine Auszeichnung zu erhalten. Die Kriterien umfassen soziale, ökologische und ökonomische Aspekte des Nachhaltigkeitsprinzips.

Am Green Globe orientierte Kategorien, nach denen im Haus Umweltmanagement betrieben wird, sind unter anderem: Abfall, Anlage, Bildung, Einkauf, Emission, Energie, Erhaltung, Gefahr, Gemeinde, Kommunikation, Kultur, Reinigung, Richtlinien, Verringerung, Wasser. Die Kostenersparnis ist ein Nebeneffekt, den nachhaltiges Wirtschaften mit sich bringt. Beispiele: Durch den Austausch der Minibarkühlschränke im Maritim Bonn lassen sich 14.000 Euro im Jahr sparen. Ca. 4.800 Euro können im Haus jährlich durch den Einsatz von Energiesparlampen eingespart werden (seit den 90er Jahren werden sie eingesetzt).

Fasst man alle Posten zusammen, ist mithilfe des aktiven Umweltmanagements im Haus eine jährliche Kostenersparnis im fünfstelligen Bereich möglich.


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