Jürgen Schaefer und Claire Landsmann (beide Schaefer Mobility Group) mit Lutz Hansen (Bayer Business Services) neben einem der Fahrzeuge, die im Rahmen des ZubucherModells am Standort Leverkusen eingesetzt werden
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Lutz Hansen, Lead Buyer Fleetmanagement bei Bayer Business Services: „Unser Ziel ist es, Ökologie und Ökonomie so miteinander zu kombinieren, dass keiner der beiden Aspekte zu kurz kommt“
Bei Bayer Business Services in Leverkusen: Lutz Hansen (Bayer Business Services) im Gespräch mit Claire Landsmann, Jürgen Schaefer (beide Schaefer Mobility Group) und Judith Kadach (Flottenmanagement, v.re.) über die Optimierung von Mobilität im Unternehmen
Jürgen Schaefer, Geschäftsführer bei Schaefer Mobility Group: „Wir als Dienstleister sehen aktive Mobilitätsvermeidung nicht negativ und plädieren für die intelligente Nutzung des vorhandenen Angebots; der Dienstleister selbst kommt hierbei nicht zu kurz“
Bayer Business Services GmbH
Schaefer Mobility Group GmbH

Schritt Einen voraus

Transfer Services – ein Thema, das bisher kaum behandelt wird in Fachmagazinen rund um das Thema Mobilitätsmanagement. Warum eigentlich nicht? Fakt ist, dass die Zahl der Unternehmen, die Transfer Services bereits für ihre Mitarbeiter in Anspruch nehmen, stetig wächst. Fakt ist auch, dass kaum noch an diesem Angebot vorbeikommt, wer langfristig denkt und Kernpunkte wie Ökologie und Ökonomie sinnvoll kombinieren möchte.

Das beste Beispiel dafür, dass genau dies möglich ist, liefern Bayer Business Services, das globale Kompetenz-Zentrum des Bayer Konzerns für IT- und Business Services, und die Schaefer Mobility Group GmbH. Gemeinsam haben sie ein Projekt erarbeitet und umgesetzt, das diese beiden wesentlichen Punkte in den Fokus rückt: Das ZubucherModell.

Wie oft kommt es vor, dass mehrere Unternehmensmitarbeiter zu ähnlichen Zeitpunkten an einem Flughafen oder Bahnhof ankommen, um sich dann jeder für sich ein Taxi zu nehmen und zum Unternehmen zu fahren. Aufgrund der einzeln getätigten Fahrten entstehen mindestens die doppelten Transferkosten, bei mehreren getrennt Reisenden sogar entsprechend mehr – von der Belastung für die Umwelt einmal ganz abgesehen.

Das ZubucherModell bietet die Möglichkeit, Mehrfachbelastungen in beide Richtungen zu vermeiden. Die Transferbedürfnisse mehrerer Unternehmensmitarbeiter werden vor dem Hintergrund, Kosten einzusparen und gleichzeitig umweltbewusst zu handeln, zusammengelegt. Einzige Bedingung ist, dass die Mitarbeiter ein- und demselben Unternehmen angehören und mit der Zubuchung des jeweils anderen Reisenden einverstanden sind. Anstelle der durch getrennte Fahrten anfallenden doppelten Kosten kommt für den dazugebuchten Mitarbeiter lediglich ein geringer Zubucher-Betrag hinzu.

Folgende Grafik veranschaulicht, wie das Modell funktioniert (Zahlen sind fiktiv):

„Man kann von einer vierfachen win-Situation sprechen“, so Jürgen Schaefer, Geschäftsführer der Schaefer Mobility Group. Der offensichtlichste Gewinn: Kosteneinsparungen beim Unternehmen. Hiervon profitiert auch die Kostenstelle, der zweite Gewinner. Gewinner Nummer drei ist die Umwelt; ein einfacher CO2-Ausstoß ist weniger umweltbelastend als mehrfache es sind. Und schließlich hat auch der Dienstleister selbst etwas vom Ganzen: Zwar könnte man denken, dass durch die Zubuchung weniger Umsatz gemacht wird. Fakt ist aber auch, dass ein höherer Durchschnittserlös pro Kilometer erzielt wird, was die Rentabilität steigert.

Die Idee, auf die das ZubucherModell und auch generell das Vorhaben, Mobilität zu optimieren, zurückzuführen ist, ist bereits 15 Jahre alt. Begonnen hatte für die Schaefer Mobility Group alles mit der Idee, dass die Verbindung zwischen einem Verkehrsknotenpunkt, einem Flughafen oder Bahnhof also, und einem Unternehmen kosten- und umweltfreundlich gestaltet werden sollte. Zusammen mit einem großen deutschen Telekommunikationsanbieter hat die Schaefer Mobility Group 1997 einen Shuttleservice ins Leben gerufen, der die Mitarbeiter des Konzerns zu festen Zeiten von A nach B transportiert hat. Immense Kosten ließen sich so einsparen, die Umweltbelastung konnte zurückgeschraubt werden. Bis zum Jahr 2009 wurden bereits mehr als eine Million Unternehmensmitarbeiter mit dem Shuttleservice transportiert – das Konzept hatte sich somit bereits ausgezahlt.

Einziger Haken des erfolgreichen Shuttleservice- Modells: Es wird nur eine feste Strecke zu festen Zeiten bedient. Was ist aber mit den Mitarbeitern, deren Ziel außerhalb dieser Strecke liegt? Und was ist mit den Fahrten, die strikt nach Fahrplan unternommen werden, obwohl die Auslastung gering ist, so wie zur Mittagszeit beispielsweise? „Wir wollten vor diesem Hintergrund das Konzept entsprechend anpassen, dynamisieren“, erklärt Jürgen Schaefer. Autos sollen sich nur dann bewegen, wenn sie wirklich gebraucht werden, möglichst viele Mitarbeiter einund desselben Unternehmens sollen gemeinsam eine Fahrt antreten, Fahrstrecken und Fahrzeiten sollen flexibel gestaltet werden – mit dieser Idee kamen die Schaefer Mobility Group und Bayer Business Services zusammen.

Lutz Hansen, Lead Buyer Fleetmanagement bei Bayer Business Services, bringt auf den Punkt, worauf es ihm als Verantwortlichem hauptsächlich ankommt: „Unser Ziel ist es, Ökologie und Ökonomie so miteinander zu kombinieren, dass keiner der beiden Aspekte zu kurz kommt.“ Nicht nur für die gesamte Flotte des Bayer-Konzerns ist Lutz Hansen federführend verantwortlich, sondern auch im Rahmen des Bayer-Klimaprogramms für die Initiative Eco-Fleet, deren in 2007 gesetztes Ziel es ist, bis Ende des Jahres 2011 20 Prozent CO2-Reduktion durch intelligent ausgewählte, für den Nutzer optimierte Fahrzeuge zu erzielen.

„Das Thema Shuttleservice haben wir sowohl wirtschaftlich als auch explizit auf den Schwerpunkt Ökologie hin geprüft. Dabei haben wir die Punkte CO2-Ausstoß und alternative Antriebstechnologien berücksichtigt und auch die Kosten betrachtet“, erklärt Lutz Hansen. „Ein klares Manko wurde dabei schnell deutlich: Ein Fahrzeug, das nicht ausgelastet ist, wird unwirtschaftlich. Problematisch war auch, dass alle Fahrten in einem Paket gekauft werden müssen, was sich oft schlichtweg nicht lohnt. Also mussten wir ein dynamisches System finden, mit dem so viele Reisende hinzugebucht werden können, bis das Fahrzeug fährt – wobei die Wahl des Autos bewusst dem Dienstleister obliegt, um die Effektivität im Fahrzeug weitestmöglich zu erhöhen.“

Mithilfe einer Neuausschreibung fiel die Wahl auf der Suche nach einem geeigneten Kooperationspartner dann auf die Schaefer Mobility Group, die am Bayer- Standort in Leverkusen als Dienstleister eingesetzt wurde. Mittlerweile arbeiten beide Unternehmen seit mehr als 12 Monaten zusammen.

Auch wenn die zugebuchten Fahrten bisher nur wenige Prozent aller insgesamt getätigten Fahrten bei Bayer Business Services ausmachen, zeichnet sich der Erfolg des Modells bereits ab. „Die Rate der Zubucher steigt kontinuierlich; wir sind auf einem sehr guten Weg“, resümiert Lutz Hansen. Bisher wurden rund 9.000 Euro eingespart, genau wie eine Tonne CO2. Für dieses Jahr kann von 1,3 Tonnen ausgegangen werden – beziehungsweise sogar von 2,6 Tonnen, wenn die Standorte mit eingerechnet werden, an denen das ZubucherModell ebenfalls eingeführt werden soll.

Wie kommt eine Zubuchung überhaupt zustande? „Der Unternehmensmitarbeiter kann selbst entscheiden, ob er die Option des Zubuchens zu- oder abwählt. Per se wird das Modell aber als Muss gesetzt – wer es abwählt, dem wird so aufgezeigt, dass er sich bewusst gegen die Ökologie entscheidet und gegen die ökonomische Auslastung des Fahrzeugs. Somit muss der Mitarbeiters eine Negativentscheidung treffen – was aber die wenigsten machen“, erklärt Lutz Hansen. Umdenken, Akzeptanz und Verständnis auf Seiten der Mitarbeiter für die Grundidee, die hinter dem ZubucherModell steht, sind eine wesentliche Voraussetzung für dessen Erfolg. Das Konzept funktioniert, die Mitarbeiter nehmen das Modell gut an – und nutzen die gemeinsam im Auto verbrachte Zeit auch zum Networken, ein weiteres Plus, das die zusammen getätigten Fahrten mit sich bringen. Bisher gab es keine einzige Negativrückmeldung, wie Lutz Hansen erklärt.

Genauso wichtig wie das Umdenken in den Köpfen der Nutzer ist allerdings das Umdenken in den Köpfen der Anbieter. „Die Dienstleister mussten und müssen sich neu aufstellen. Exzessive Mobilität gilt es dringend zu vermeiden, auch wenn diese Aussage aus dem Mund eines Dienstleisters zunächst seltsam, weil widersprüchlich klingen mag. Aber: Wer fortschrittlich denkt, ist sich dessen bewusst, dass nicht nur die Umwelt, sondern auch die Reisenden selbst nur endlich belastbar sind“, erklärt Jürgen Schaefer. „Die negativen Auswirkungen einer permanenten Reisetätigkeit machen sich beim Mitarbeiter physisch und psychisch bemerkbar. Wir als Dienstleister sehen aktive Mobilitätsvermeidung nicht negativ und plädieren für die intelligente Nutzung des vorhandenen Angebots. Der Dienstleister selbst kommt hierbei nicht zu kurz“, so Jürgen Schaefer weiter.

Lutz Hansen ergänzt: „Jeder unnötige Kilometer, der nicht gefahren wird, ist ein Gewinn. Es kommt heute mehr denn je darauf an, Mobilität möglichst intelligent zu nutzen. Das heißt: Ressourcen- und Effizienzgesichtspunkte werden immer wichtiger, und dies sowohl in ökonomischer als auch in ökologischer Hinsicht.“ Der Fokus liegt darauf, so viel ineffiziente Mobilität zu vermeiden wie möglich und ansonsten auf dem smartesten Weg einzukaufen, um den Bedarf zu decken. Das bedeutet auch, sich Gedanken darüber zu machen, ob ein Fahrzeug wirklich gebraucht wird, sprich ob die Flotte aufgestockt werden muss oder ob Dienstleistungen hinzugekauft werden können – und wenn ja, wo und wie diese eingesetzt werden können. Wesentlich auch: „Vor allem sollte verstanden werden, dass das Thema Mobilitätsmanagement ganzheitlich begriffen und nicht nur auf den Flottenbereich begrenzt werden sollte, denn dies ist kein losgelöstes Thema, sondern es handelt sich hierbei um ein Teilgebiet der Mobilität, zu dem natürlich beispielsweise auch Flugreisen gehören“, führt Lutz Hansen aus.

Entwicklungspotenzial ist da; auch in Zukunft kann viel unternommen werden in Sachen Einsparungen bei Umweltbelastungen und Kosten. „Verschiedene Themen, die zurzeit noch nicht im Fokus stehen, werden künftig relevant sein“, so Lutz Hansen. „CO2 ist das Thema, das momentan alle immens beschäftigt“, erklärt er, „aber auch Schadstoffe wie Stickoxide müssen mit ins Kalkül genommen werden.“ Deshalb führt kein Weg daran vorbei, Erdgas und in ferner Zukunft auch Wasserstoff als alternative Antriebe heranzuziehen, wie er findet. Auch Jürgen Schaefer sieht Erdgas – trotz des momentan noch bestehenden Problems in Sachen Reichweite – als wichtigen Treibstoff, der schon bald nicht mehr zu umgehen sein wird. Er ist optimistisch, in den nächsten Monaten diesbezüglich die ersten Schritte in Richtung Flottenumstellung angehen zu können.

Wie sieht die zukünftige Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen aus? Das ZubucherModell soll weiter optimiert werden; ständig findet ein Austausch zwischen den Kooperationspartnern statt, um das gemeinsame Projekt weiter voranzubringen. Hierbei spielt auch das Thema Transparenz eine große Rolle: Mithilfe von online einsehbaren Missed Saving Reports und nachvollziehbaren Profilen beispielsweise lässt sich aufzeigen, wo die Hauptfahrstrecken liegen, welche Auffälligkeiten es gibt, die aufgegriffen werden müssen, wo Handlungsbedarf besteht und welche Prozesse in Zukunft optimiert werden können, um ökologisch und ökonomisch noch sinnvoller zu agieren. Wichtig an den Missed Saving Reports ist auch, dass dem einzelnen Reisenden so schwarz auf weiß vor Augen geführt wird, was er vor allem der Umwelt zumutet, wenn er sich gegen die Nutzung des Modells entscheidet.

In Planung ist auch, dass der Mitarbeiter die Reise von seinem Zuhause bis zum eigentlichen Geschäftstermin in einem System buchen kann. Entsprechende Ergänzungen im Online-Tool sollen vorgenommen werden, sodass übergreifend gebucht werden kann. Auch soll das ZubucherModell an weiteren Bayer-Standorten implementiert werden, um den Service weiter auszudehnen.

Das Modell zeigt, dass mit geringem Aufwand für den Nutzer viel Positives erreicht werden kann. Unternehmen wie Bayer Business Services leben vor, dass mittlerweile nicht mehr die Entscheidung gefällt werden muss, ob Ökonomie oder aber Ökologie im Fokus stehen soll, sondern dass beide Themen sich gleich gewichten und entsprechend sinnvoll kombinieren lassen. Lutz Hansen schließt: „Jedes Gramm CO2-Einsparung bedeutet weniger Spritverbrauch und weniger Kosten. Bewusst Geld in neue Projekte zu investieren lohnt sich – vor allem dann, wenn belegt werden kann, dass wie im Falle des ZubucherModells keine Mehrkosten entstehen. Doch selbst wenn dies der Fall wäre, sollte das nicht von der Investition abhalten, wenn es um Nachhaltigkeit geht – Unternehmen können es sich heutzutage nicht mehr leisten, nur kurzfristig zu denken. Und diese Sichtweise zahlt sich langfristig aus.“


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