Elektrisch, sparsam, gut
03.09.2013

Fast unbemerkt hat sich Ford hinter Toyota weltweit auf Position zwei der Hybridenproduzenten geschoben. Auf dieser Basis setzt man in Zukunft vermehrt auf Strom für den Vortrieb.

Ford steht vor spannungsgeladenen Zeiten. Bis Ende kommenden Jahres plant der Konzern, seine Palette elektrifizierter Fahrzeuge auf drei Personenwagen auszubauen. Den Auftakt macht bereits in diesem Sommer der Focus Electric, der in Saarlouis zusammen mit den konventionell angetriebenen Versionen vom Band läuft. Im Laufe des nächsten Jahres folgen dann der C-Max Energi als Plug-In-Hybrid und der Mondeo als Hybrid.


In der Kompaktklasse erreicht der Focus Electric mit 107 kW/145 PS durchaus dynamische Fahrwerte und kommt dank des bereits vom Start an verfügbaren Drehmoments von 250 Newtonmeter gut in Fahrt. Der elektrische Focus bewährt sich im Stadtbetrieb wie auch auf der Autobahn, wo der Vortrieb bei 137 km/h im Interesse der Reichweite elektronisch beendet wird. Bei zurückhaltender Fahrweise schafft der Focus 162 Kilometer. Als Motivation für eine sparsame Fahrt lässt Ford Schmetterlinge in einem Display fliegen, um so eine besonders energiesparende Fortbewegung zu dokumentieren. Jeden durch Rekuperation gewonnene Kilometer belohnt der Computer mit einem weiteren flügelschlagenden Schmetterling. Beim Bremsen werden 95 Prozent der durch Verzögern freigesetzten Energie in die Batterien eingespeist.


Die beiden Lithium-Ionen-Batteriepacks wiegen 300 Kilogramm und besitzen eine Speicherkapazität von 23 Kilowattstunden. Um sie von meteorologischen Einflüssen unabhängig zu machen, werden sie über einen Flüssigkeitskreislauf gekühlt oder beheizt, sodass sie stets in einem optimalen Temperaturbereich arbeiten können. Allerdings nehmen die Energiespeicher einen großen Teil des Kofferraums in Anspruch. Offensichtlich spielte die Elektrifizierung des Antriebs bei der Entwicklung des Modells keine Rolle. Die Batteriemodule lassen sich an jeder 200-Volt-Station laden. Ein bordeigener 6,6-kW-Spannungswandler konvertiert den ankommenden Wechselstrom in Gleichstrom. An einer Haushaltssteckdose dauert es dann sechs bis sieben Stunden, um die Batterien wieder aufzuladen. An einer Stromtankstelle mit 32 Ampere sind die Speicher nach drei bis vier Stunden voll. Für den Focus mit Elektroantrieb, der in der Ausstattungslinie Titanium ausgeliefert wird, verlangt Ford 39.900 Euro.

Wie beim Focus nehmen auch beim C-Max Energi die Energiespeicher einen großen Teil des Kofferraums in Anspruch. Seinen Aufgaben als Familienvan kann er so nicht mehr vollständig gerecht werden. Dafür bietet das Modell die Energieversorgung, die allgemein als Brückentechnologie zum rein elektrischen Vortrieb oder zum Brennstoffzellenantrieb gilt. Als Plug-In-Hybrid bietet der C-Max Energi eine elektrische Reichweite von mehr als 30 Kilometern, um dann als sparsamer Hybrid weiter zu rollen. Ford verspricht einen kombinierten Verbrauch von weniger als 2,2 Liter auf 100 Kilometer und CO2-Emissionen von weniger als 50 Gramm je Kilometer. So entsteht eine theoretische Reichweite von 800 Kilometern. Ideal für die Fahrt in den Urlaub, wenn die Sache mit dem Kofferraum nicht wäre.

Beim C-Max Energi verbündet sich ein Zweiliter-Benziner mit einem Elektromotor, was eine Systemleistung von 145 kW/198 PS ergibt. Wie beim Focus ist die Höchstgeschwindigkeit im Elektromodus auf 137 km/h begrenzt. Der Fünfsitzer rollt der bis rund 60 km/h überwiegend elektrisch durch den Verkehr, um dann in den Hybridmodus zu wechseln. Das geschieht ohne dass Fahrer und Beifahrer den Wechsel bemerken. Lediglich das Display im Zentrum der Instrumententafel informiert über den jeweiligen Antrieb, und natürlich fehlen auch hier weder Schmetterlinge noch wachsende Blätter als Belohnung für besonders sparsames Fahren. Der aus den USA importierte C-Max Energi wird in der ersten Jahreshälfte 2014 auf den Markt kommen. Über den Preis schweigen die Ford-Verantwortlichen noch. In den USA wird der Van für rund 33.000 Dollar angeboten.

Hinter Toyota hat sich Ford in den vergangenen Jahren als zweitgrößter Produzent von Hybridmodellen etabliert. In den USA stellte das Unternehmen bereits 2004 mit dem Escape das erste SUV mit Hybridtechnik vor, und Ende kommenden Jahres wird der dort bereits als Fusion angebotene Mondeo mit dieser Antriebstechnik auf den Markt rollen. Beim Mondeo ist ein Zweiliter-Benziner mit einem E-Motor gekoppelt, der das Leistungsniveau eines 2,5-Liters erreichen, dabei aber weniger als fünf Liter verbrauchen soll. Die Leistungswerte für die Europa-Version sind noch nicht bekannt. Zum vergleichsweise günstigen Verbrauch trägt auch das stufenlose Getriebe bei, das den Benziner stets im optimalen Wirkungsgrad laufen lässt, beim Beschleunigen aber dennoch den für Hybridmodelle typischen, wenngleich dezenten Heulton anstimmt. Unbemerkt vom Fahrer wechselt der Antrieb ständig zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor. Dank der eingesetzten Lithium-Ionen-Akkus kann der Mondeo über eine kurze Distanz bis maximal 135 km/h rein elektrisch fahren.

Mondeo-Interessenten können sich auf eine geräumige und angenehm zu fahrende Limousine mit einem markanten Design freuen, deren Materialmix für den Europastart noch einmal überarbeitet werden sollte. Offensichtlich sind amerikanische Kunden weniger anspruchsvoll. Unter anderem spendierte Ford dem im spanischen Valencia gebauten Mondeo der nächsten Modellgeneration ein Spurhaltesystem, adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und einen Toter-Winkel-Assistent. Als Innovation besitzt der Mondeo zudem noch Gurtairbags für die Passagiere auf der Rückbank, der die bei einem Aufprall entstehenden Kräfte fünf Mal besser verteilen soll als ein konventioneller Sicherheitsgurt.
 


Kommentare (3)
Driver 04.09.2013, 00:28 Uhr
Hätte man von Ford gar nicht gedacht, die weit verbreitete Meinung über die Amis ist bekannt: Großer Hubraum und Spritschlucker
Antworten
   
Peter 04.09.2013, 10:36 Uhr
Ich bin noch nicht überzeugt von Elektro und Hybrid. Plug-in-Hybrid macht aus meiner Sicht derzeit noch am meisten Sinn. Hat jemand Erfahrung mit Range-Extender-Fahrzeugen? Wird das in der Praxis von den Fahrern wirklich nur als Notstrom genutzt, oder sparen die sich dann oft das verkabeln über Nacht?
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Björn 17.09.2013, 16:20 Uhr
Ich finde diese Modelle sehr interessant, aber ohne eigenem Carport oder Garage mit Steckdose ist das für mich nicht effizient; und ein Kabel aus der Wohnung (1. Etage) über den Bürgersteig zum Auto zu legen ist auch nicht das wahre... Solange es nicht flächendeckende Aufladestationen gibt, sind diese Autos nur für Bewohnen von Einfamilienhäusern oder entsprechenden festen Parkplätzen mit einer entsprechenden Auflademöglichkeit eine Option.
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