Der kleinere Traum vom großen Sportwagen-Glück
04.05.2017

Der Cayman ist günstig - für einen Porsche
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Wieviel braucht ein Sportwagen-Fan zum Glück? Wir meinen, mit vier Zylindern, zwei Litern Hubraum, 300 PS und sagen wir 65.000 Euro auf dem Konto ist man davon zumindest nicht mehr allzu weit entfernt.

Ein alter Verkäufertrick: Ist der Preis zwar absolut hoch, aber relativ zu einem anderen Produkt geringer, wird ihn der potenzielle Kunde als günstig oder mindestens angemessen empfinden. So war es auch bei unserem Testwagen, einem Porsche Cayman. Wenn man die Preisliste eines 911er kennt, die so ungefähr bei 100.000 Euro beginnt und bei 200.000 Euro noch nicht an ihrem Ende ist, kann man die Reaktion einiger Interessierter verstehen, die als Antwort auf ihre Frage „Watt kostet der denn“ von uns ein lässiges „Ooch, den gibt es schon so ab 53.000 Euro“ erhielten und daraufhin ziemlich erstaunt waren. Denn immerhin ist der Cayman ja ein richtiger Sportwagen und ein echter Porsche sowieso. Dass das mit dem günstigen Preis allerdings so eine Sache ist, dazu später mehr.

Als der Zweisitzer im letzten Herbst auf den Markt kam, gab es einige Aufregung. Wie stets, wenn Porsche bei seinen Modellen mit einer Tradition bricht. In diesem Fall - kein Sechszylinder mehr im Cayman und auch nicht in seinem offenen Schwestermodell Boxster. Stattdessen, so die Kritiker, gehen nun auch die Stuttgarter den vom CO2-Diktat bestimmten Mainstream-Weg: Nur noch vier Zylinder und nur zwei Liter Hubraum müssen für 300 PS reichen. Diesem Lamento haftet stets etwas Vorgestriges an, denn selbstverständlich muss ein Autohersteller mit der Zeit und den gesellschaftlichen Realitäten gehen.

Und ganz ehrlich, zumindest in der Basisversion (2,7 Liter Hubraum, 275 PS), war der alte Sechszylinder nun wirklich kein motorisches Weltwunder. Er musste für echten Fahrspaß vielmehr ständig in den höheren Drehzahlbereichen gehalten werden und hatte zwar mangels Turbo kein entsprechendes „Loch“, wohl aber eine spürbare Anfahrschwäche.

Der neue Vierzylinder kommt natürlich nicht ohne Hilfsbeatmung mittels Turbo aus, sonst wären 300 PS aus zwei Litern Hubraum wohl kaum erreichbar gewesen. Aber auch hier: Kein Turboloch, der Motor reagiert mehr oder weniger sofort auf den Gasbefehl – okay, einige wenige Zehntelsekunden benötigt er dann doch, aber das darf man ruhig vernachlässigen. Viel wichtiger, der Vierzylinder fährt sich viel souveräner, eben weil er nicht ständig hochgedreht werden will. Erstes Fazit also: Zumindest in der Basisversion – und genau die sind wir ja gefahren – würden wir den Vierzylinder nicht mehr gegen den Sechser tauschen wollen. Ob das sich in der S-Version (350 PS) oder kommenden, noch leistungsstärkeren Varianten (GTS) auch so verhält, müssen wir bei anderer Gelegenheit klären.

Auch wenn diese Erkenntnis nicht neu ist - auf der Straße macht auch diesem Porsche kein ähnlich starker oder annährend ähnlich teurer Sportwagen was vor. Heckantrieb und Mittelmotor-Konzept sorgen für selten gewordenen Fahrspaß und das Beste daran ist: Man hat nie das Gefühl, das Auto auch nur annähernd an seine Grenzen bringen zu können. Das gilt bei Tempo 260 (die Vmax von 275 war für uns auf deutschen Autobahnen nicht erreichbar) genauso wie für alle Arten von Kurven. Im Gegenteil meint man stets, der Porsche fühlt sich mit jedem zusätzlichen km/h auf dem Tacho noch wohler – und wir noch sicherer. Insofern sind die 55.520 Euro Grundpreis für den Basis-Cayman inklusive des rund 2.800 Euro teuren, aber rundum empfehlenswerten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes (PDK) tatsächlich zwar viel, aber nicht zu viel Geld.

Ins Geld geht eher der Verbrauch, denn der Cayman kann zwar entspannt, lässt sich aber auch gerne fordern. Kommt man dem so wie wir gerne nach, stehen halt am Ende nicht 6,9 Liter Verbrauch zu Buche, wie es die Norm vorgaukelt, sondern umgedreht 9,6 Liter. Dafür macht der Cayman aber auch Spaß ohne Ende. Was natürlich am üblichen Porsche-Rundumpaket liegt: prima Sportsitze, tolles Fahrwerk, beste Bremsen und exakte Lenkung. Und toller Sound auch. Viel zu meckern gibt es also nicht, der kleine Sportler ist in mancher Hinsicht sogar der bessere Elfer: leichter, unverstellter und natürlich günstiger.

Womit wir jetzt doch wieder beim Geld angekommen sind. Wie gesagt, den Cayman gibt es mit Handschalter schon ab knapp 52.700 Euro. Dann hat man ein Fahrzeug, das alle Voraussetzungen für den großen Fahrspaß schon hat. Aber eben auch nicht viel mehr. Die Schwaben schlagen wie immer in Sachen Aufpreise richtig zu. Beispiele: Eine Klimaanlage ist zwar (immerhin) drin, als Automatik kostet sie aber 760 Euro extra. LED-Licht statt Xenon für 1.975 Euro und das Navi für 1.547 Euro - geschenkt. Aber dass selbst ein popeliger Tempomat 321 Euro kostet wirkt schon ein wenig kleinlich. Von den Kosten für Fußmatten und dem „Raucher-Paket“ ganz zu schweigen. Aber irgendwo müssen die Rekordrenditen der VW-Tochter ja herkommen.

Immerhin bietet Porsche gleich vier Farben (weiß, gelb, rot, schwarz) aufpreisfrei an, andere Hersteller haben häufig nur noch eine Farbe ohne Mehrkosten im Angebot und nehmen für alle anderen Extra-Kohle. Aber trotzdem, ein Endpreis in den 50.000ern ist wohl unrealistisch. Eher würden wir mal für einen angemessen ausgestatteten Basis-Cayman mit Navi, Leder, Assistenz etc. mit 65.000 Euro rechnen.

Und da sind wir wieder am Anfang: Verglichen mit einem 911er wirkt das noch immer „günstig“. Und tatsächlich ermöglicht der Cayman zumindest manchem Fan, für den ein großer 911 außer Reichweite ist, die Verwirklichung seines kleineren Traums vom großen Sportwagen-Glück.


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