Fahrzeug-Betriebskosten variieren stark in Europa
13.02.2017

Die weltweit operierende Leasinggesellschaft LeasePlan hat Fahrzeugbetriebskosten analysiert. Im "LeasePlan CarCost Index" wurden diverse Kostenfaktoren kumuliert und in 24 europäischen Ländern miteinander verglichen. Das Ergebnis: Zwischen den einzelnen Ländern gibt es große regionale Unterschiede in den Betriebskosten. Autofahrer haben aufgrund hoher Fixkosten nur wenig Spielraum für Maßnahmen zur Kostensenkung. Ausweglösungen könnten bedarfsgerechte Mobilitätslösungen wie Carsharing sein oder die Partizipation an Volumenrabatten.

Ziel der Studie "LeasePlan CarCost Index" ist es, Autofahrern einen besseren Überblick über die Betriebskosten ihres Fahrzeugs zu geben. In der Studie wurden Fahrzeuge im Klein- und Mittelklassewagensegment betrachtet wie Renault Clio, Opel Corsa, Volkswagen Golf und Ford Focus. Zusätzlich zum Anschaffungspreis wurden darüber hinaus auch weitere wichtige Kostenfaktoren analysiert: Wertverlust, Instandhaltung, Kraftstoff, Reparaturen, Versicherungen, steuerliche Abgaben sowie – je nach Land – gesetzlich vorgeschriebene Winterreifen. Die Untersuchung basiert auf den Betriebskosten der ersten drei Jahre und einer jährlichen Fahrleistung von 20.000 Kilometern. Die Indexmethode ermöglicht darüber hinaus einen europäischen Betriebskostenvergleich.

Deutschland: Arbeitsleistungen rund um das Auto sind 45 Prozent teuer als im europäischen Vergleich
Deutsche Autofahrer wenden monatlich 468 € an Betriebskosten auf. Im europäischen Gesamtkostenvergleich erreicht Deutschland Platz 15 von 24 und liegt damit im unteren Mittelfeld. Ob Deutschland in den Betriebskosten teuer oder günstig ist, hängt vom jeweiligen Kostenfaktor ab. So gehört Deutschland im "LeasePlan CarCost Index" zu den Top-10 Ländern, in denen Fahrzeuglistenpreise am teuersten sind. Sowohl der durchschnittliche Listenpreis für Benziner (14.914 €) als auch der für Dieselfahrzeuge (16.962 €) lag rund 1.000 € über dem europäischen Durchschnitt. In der Kostenfaktor-Kategorie 'Service & Wartung, Reifen und Reparaturen', die alle Arbeitsleistungen rund um das Fahrzeug akkumuliert, schafft es Deutschland sogar auf Platz 3 der teuersten Länder. Monatlich schlagen hier 64 € zu Buche, der europäische Durchschnitt liegt hingegen bei 44 €. Damit sind Arbeitsleistungen rund um das Auto in Deutschland 45 Prozent teurer. "Dass Arbeitsleistungen rund um das Auto in Deutschland relativ teuer sind, liegt unter anderem an den höheren Preisen für Ersatzteile und an teureren Stundenverrechnungssätzen", erläutert Patrick Vierveijzer, Vorsitzender der Geschäftsleitung von LeasePlan Deutschland. Und weiter: "Da es sich hierbei um Fixkosten handelt, die für Autofahrer unvermeidbar sind, gibt es nur überschaubare Ausweichmöglichkeiten. Bedarfsorientierte Mobilitätslösungen wie Carsharing können je nach Situation sinnvoll sein. Darüber hinaus können unsere Leasingkunden sowohl im Bereich der Fahrzeuglistenpreise als auch bei den Arbeitswerten von unseren Volumenrabatten profitieren. So haben wir zum Beispiel für viele Fahrzeugmarken besonders niedrige Stundenverrechnungssätze und Ersatzteilpreise mit über 2.600 Markenstandorten ausgehandelt."

Gute Nachrichten gibt es für deutsche Autofahrer dennoch: Hierzulande ist der Kraftstoff vergleichsweise günstig für Diesel (Platz 5) und Benzin (Platz 7). Relativ gut sieht es auch in der Kategorie 'Kfz- und Mehrwertsteuer' aus. Deutschland reiht sich unter den günstigsten Ländern auf Platz 5 ein.

Europa: große regionale Unterschiede
Innerhalb Europas können die durchschnittlichen Gesamtbetriebskosten für ein Fahrzeug der Klein- bis Mittelklasse um bis zu 344 € pro Monat variieren. Die drei teuersten Länder im Hinblick auf Benziner sind Norwegen (708 €), Italien (678 €) und Dänemark (673 €). Bei den Dieselfahrzeugen liegen dagegen die Niederlande (695 €) vorn, gefolgt von Finnland (684 €) und Norwegen (681 €). In den osteuropäischen Ländern wie Ungarn, Tschechien und Rumänien sind die Kosten für Benzin- und Dieselfahrzeuge hingegen bedeutend niedriger (ab 369 €). Deutschland liegt in den Gesamtkosten für Diesel- und Benzinfahrzeuge im Mittelfeld. Deutsche Autofahrer müssen 466 € pro Monat für ein Dieselfahrzeug und 470 € für einen Benziner aufbringen.

Autobesitzer haben nur wenig Einfluss auf die Kosten
Zu den größten Posten in den Kfz-Betriebskosten gehört der Wertverlust, in Deutschland macht er laut "LeasePlan CarCost Index" durchschnittlich 36% der Gesamtkosten aus. Kfz- und Mehrwertsteuer sind hierzulande zu 17% für die Haltungskosten verantwortlich, während Kraftstoff mit 16% auf Platz 3 zu Buche schlägt. Bei allen Kostenfaktoren – mit Ausnahme des Postens Kraftstoff – handelt es sich um Fixkosten. Damit haben Fahrzeugeigentümer relativ wenig Einfluss auf die anfallenden Betriebskosten. Dies sieht man auch am Beispiel von Ungarn. Grund für die erheblich geringeren Betriebskosten in Ungarn sind vor allem die besonders niedrigen Anschaffungspreise, die einen geringeren Wertverlust zur Folge haben.

Ökosteuern spielen eine entscheidende Rolle
Die Studie zeigt außerdem einen deutlichen Zusammenhang zwischen den hohen Gesamtbetriebskosten und hohen Kfz- und Mehrwertsteuern. Dies trifft sowohl auf die teuersten Länder (Italien, nordische Länder und Niederlande) als auch auf die kostengünstigsten mit der niedrigsten Besteuerung (Ungarn, Tschechien und Rumänien) zu. In den Niederlanden machen Mehrwert- und Kfz-Steuer beispielweise bis zu 31% der Gesamtbetriebskosten von Dieselfahrzeugen aus. Bei den Steuern für Benziner liegt Norwegen mit einem Anteil von bis zu 29% der Gesamtbetriebskosten im europäischen Vergleich vorn. In Deutschland ist die Besteuerung von Diesel- und Benzinfahrzeugen für 17% der durchschnittlichen Unterhaltskosten von Klein- und Mittelklassewagen verantwortlich. In wieweit die in Deutschland geplante Pkw-Maut diesen Kostenanteil vergrößert und in welcher Form sich dies auf die deutschen Kfz-Betriebskosten im europäischen Vergleich auswirkt, bleibt abzuwarten.


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